PIEDILUCO IN DER GESCHICHTE

Piediluco ist die einzige Stadt, die an den See grenzt. Es handelt sich um ein kleines Dorf mittelalterlichen Ursprungs, was nicht bedeutet, dass das Gebiet in den vorhergehenden Zeitepochen unbewohnt gewesen ist. Geologische Ausgrabungen haben hingegen, mittels zahlreicher Funde, die in die späte Bronzezeit reichen, das Vorkommen von Ansiedlungen gezeigt, die jedoch zu Beginn der Eisenzeit aufgegeben wurden, zeitgleich mit der Entstehung des vorstädtischen Stadtkerns von Terni.
Was die vorrömische und römische Zeit angeht, können wir nur auf Hypothesen zurückgreifen, auch wenn es als sicher gilt, dass das Gebiet, bevor es von den Römern in der Mitte des 3. Jahrhunderts v. C. erobert wurde, von den Sabinern bewohnt gewesen ist.

Nicht einmal für das hohe Mittelalter existiert eine abgesicherte Dokumentation. Einzig Im Jahre 1028, in einem Dokument, mit dem Berardo di Arrone, Feudalherr des Ortes, seine Besitztümer der Abtei von Farfa anbietet, wird ausdrücklich der Name ,,Castello de Luco” erwähnt (etymologisch auf lucus, heiliger römischer Wald zurückzuführen), ein Platz auf dem Gipfel des Burgberges und einer ,,curtem de Postro”, die sich längs des Seeufers befindet. Schichtenspezifische Untersuchungen der gegenwärtigen Burgruinen haben das Bestehen einer befestigen Wohnanlage bestätigt, gekennzeichnet durch einen viereckigen Turm, der der Hauptturm des Schlosses darstellt. Am Fuß des Berges war höchstwahrscheinlich ein kleine Fischer - und Bauerndorf, erhoben aufeine kleinen Ebene, Il colle” genannt. Mai vermutet, dass zwischen 11. und 12 Jahrhundert dort die romanische Kirch Santa Maria del Colle” errichtet wurde, vor der nur Ruinen und der mit zwei Biforen versehenen Kirchturm übriggeblieben sind, der heute den höchsten Punkt des Dorfes darstellt.
Es war Friederich 2., der das Dorf 1244 in die Hände der Familie Brancaleoni gab, welche es am Ende des 13. Jahrhunderts und in der Mitte des folgenden restaurierten und vergrö
ßerten. Mit Ausnahme des Herrensitzes wurde das Schloss vorschriftsmaßig verstärkt und verlor seine Wohnfunktion zu Gunsten derer der Verteidigung. Der Wohnbereich am Seeufer wurde um neue Konstruktionen erweitert und es wurden die Kirche und der Konvent des Hl. Franziskus errichtet, in Erinnerung an den Besuch des Heiligen (vermutlich Im Jahre 1208), bezeugt von Tommaso da Celano und von Buonaventura da Bagnoregio. Alles in allem ist die Herrschaft der Brancaleoni auch charakterisiert durch andauernde Auseinandersetzungen zwischen Welfen und Giebellinern: sowohl die Burg als auch das Dorf wurden von den nahgelegenen Städten angegriffen. Im Jahr 1330 einigten sich die Welfenstädte Rieti und Spoleto sogar darauf, das Schloss zu zerstören, welches als eines der stärksten giebellinischen Festungen Südumbriens galt.

 

 


Besonderheitder, Umbrìa overo Ducato di Spoleto” genannten Karte, erstellt und groviert von den holltindischen Kottogrofen Iohonnes und Cornelius Bloeu Im Jahre 1640

Die Zerstörung fand dann aber nicht statt, auch dank Eingreifens des Papstes Be­nedetto XII; als im Jahr 1353 der Kardinal Albornoz nach Italien kam, um die päpstliche Autorität in Umbrien wiederherzustellen, wurden dem Schloss, Im Gegenteil, wichtige territoriale Kontroll- und Verteidigungsfunktionen zugeordnet. Um genau zu sein war es Fernando di Belsivo, Cousin von Albornoz und Rektor des ,,Ducato di Spoleto”, der Im Jahr 1364, von den sich nunmehr Im Verfall befindlichen Brancaleoni das Schloss und das umgebende Gebiet erwarb, um sofort darauf, in den folgenden Jahren die Burg zu bebauen, dessen Reste noch heute sichtbar sind. Die neue Festung, Symbol der wiedergefundenen päpstlichen Macht, schließt in ihrem Inneren ein, was für etwa anderthalb Jahrhunderte der Sitz der Brancaleoni war, während auch die letzten Bewohner des alten Schlosses in das Dorf am Seeufer zogen. welches nunmehr Piediluco (wörtlich ,,am Fuße des Luco”) genannt wurde. Im folge einer Revolte, die von giebellinischen Auswanderern aufgerufen wurde, wurde Blasco Im Jahre 1368 Im Dorfgetötet. Die Rache von Papst Urbanus 5. war drastisch: im folgenden Jahr zerstörten die päpstlichen Truppen, geführt von Ugolino da Montemarte, das Dorf und nahmen 50 Männer gefangen; der Mordanklage überführt, wurden diese in Spoleto und in anderen Städten des Staates gefoltert und hingerichtet. Nach einer Periode von 30 Jahren, in der sich verschiedene Herrschaften ablösten, wurde das Gebiet von Piediluco, vom Jahr 1393 an, von der Familie Trinci regiert, in deren Händen es bis zum Jahre 1439 blieb. Verdienst der Trinci war Im Besonderen die Redaktion eines neuen Statuts (bekannt als ,,Statuta Castri Pedisluci”) Im Jahre 1417, fundamentaler Bestandteil einer politischen Entwicklung, die ihnen, bereits ,,Herren von Foligno”, in ihrer Machtausübung eine weitgehende Unabhängigkeit von der päpstlichen Kontrolle zusichern sollte.

Mit dieser verwaltungstechnischen Neuordnung vervollständigte sich der Veränderungsprozess der einst als Schloss von Luco bezeichneten Wohnanlage, heute bekannt als Schloss von Piediluco. Tatsächlich entspricht die heute zu beobachtende Baustruktur, trotz modernisierender Veränderungen, jener bereits damals genau festgelegten: oben der Verteidigungskern mit Sitz des Schlossherrn; unten dem Wohnkern, Ort öffentlicher, sozialer und wirtschaftlicher Aktivitäten; zwischen den beiden Ebenen ein gemauertes Wandsystem.

Nach dem Fall der Trinci, auf Willen von Eugenio IV, fällt das Gebiet von Piediluco unter direkte Kontrolle des heiligen Stuhls. Somit gestand Papst Nicolo 5., im Jahr 1453, die Ortsherrschaft dem Matteo Poiani aus Rieti zu, als Belohnung für seine Dienste als Söldnerführer. Mangels männlicher Nachkommenschaft kommt es zur Übertragung an den Edelmann aus Amelia, Giovanni Farrattini, der Plautilla Poiani heiratete. Die neuen Besitzer behielten es bis zum Ende des 1 7. Jahrhunderts. Zwischen dem siebzehnten und achtzehnten Jahrhundert gehörte Piediluco zu den Baronen Ancajani, dann den Grafen Pianciani von Spoleto und schließlich den Baronen Franchetti. Ihr Verdienst, Im Besonderen der von Eugenio, ist die Erbauung der Seevilla Villalago im neoklassischen Stil, eingebettet im Grünen. Ab 1927, Im folge der Gründung der Provinz Terni, verlor die Gemeinde von Piediluco (hier neben dem Wappen) ihre Unabhängigkeit und wird integraler Bestandteil der Gemeinde von Terni.

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